Leben mit Diabetes

DIABETES TYP YOU – TAG

Diabetes Blog

Die Mehrheit der Menschen weiß wohl kaum, dass sich hinter dem großen Wort Diabetes viele unterschiedliche Krankheiten verbergen. Wer näher hinschaut, wird dann schnell erschlagen von all den Begriffen wie Diabetes Typ 1, Typ 2, Typ F, LADA, MODY und vielen mehr. Jede Menge Schubladen, in die wir uns da gegenseitig stecken können. Doch worum es eigentlich gehen sollte, was Ärzte und Patienten vor allem im Blick haben sollten, ist Diabetes Typ You. Denn jeder von uns ist anders, hat seinen eigenen, persönlichen Diabetes und geht unterschiedlich damit um.

Deshalb haben Saskia von Diafeelings.com und Marcel von Ishinne-Diabetes.de den Tag „Typ You“ ins Leben gerufen und 11 Fragen entwickelt, in dem Diabetes-Blogger, aber auch Leser, ihren persönlichen Diabetes vorstellen können. Lisa von Lisabetes.de hat mich nominiert und natürlich mache ich gerne mit! Los geht’s! 🙂

#1 Wie alt bist du und wie lange hast du schon Diabetes?

Ich bin 24 Jahre alt und habe am 15. Juni 2009 die offizielle Diagnose Diabetes bekommen. Dr. Google hatte mich damals aber schon vorgewarnt! 😉

#2 Penste noch oder pumpste schon?

Momentan bin ich noch Pen’nerin, denke aber immer mehr über den großen nächsten Schritt nach. Ich habe mich lange dagegen gesträubt, aber mittlerweile bin ich bereit. Oder zumindest fast. Wenn ich nicht so unfassbar unschlüssig wäre, welche Pumpe es denn nun sein soll! Der technische Fortschritt verspricht im Moment so viele Neuerungen und mir fällt es schwer, mich für mehrere Jahre auf ein Gerät festzulegen. Dennoch: Für das Jahr 2016 habe ich mir vorgenommen, mich nun endlich zu entscheiden!

Diabetes Blog

#3 Was war dein schönstes Diabetes-Erlebnis und wie beschreibt sich deine schlimmste Erinnerung?

Das eine, das schönste Erlebnis gibt es für mich nicht wirklich. Aber ich kann ehrlich sagen, dass das Jahr 2015 mein bisher schönstes Diabetes-Jahr gewesen ist. Warum? Als ich im April mit meinem Diabetes-Blog loslegte, hätte ich nie gedacht, dass ich daran so viel Freude haben würde. Ich habe so viele wunderbare Menschen kennen gelernt und tolle Erfahrungen gemacht. Dafür bin ich sehr, sehr dankbar.

Glücklicherweise hatte ich auch noch nie das wahre Horror-Erlebnis mit meinem Diabetes. Ich habe noch nie das Bewusstsein verloren, sei es durch Hyper oder Hypo (Klopft auf Holz!). Die wirklich schwierigen Momente sind für mich weniger körperlich, sondern eher seelisch. Wenn ich in ein Motivations-Tief rutsche, fällt es mir manchmal schwer, mich wieder heraus zu kämpfen. Doch auch hier hilft die Online-Community sehr. Allein die Gewissheit, dass es auch anderen manchmal so geht, gibt mir immer wieder Hoffnung und Kraft, weiterzumachen und dem Diabetes-Monster zu zeigen, wo es lang geht!

#4 Misst du oder scannst du?

Ich scanne – und das mit Leidenschaft! Bei der Markteinführung des Freestyle Libre habe ich nicht lang gezögert und sofort bestellt. Seitdem hat sich mein Leben komplett verändert. Niemals hätte ich gedacht, dass ein so kleines Gerät so viel ausmachen kann, aber es ist wirklich wahr. Das Messen ist für mich keine Last mehr, sondern ich scanne wie selbstverständlich deutlich öfter als 10 mal am Tag. Zu Pieks-Zeiten kam das wirklich sehr, sehr selten vor. In jeder Lebenslage und überall – ob im Dschungel, unter Wasser, auf 5000 Metern Höhe oder in der Wüste – das Libre ist ein Begleiter, den ich nicht mehr missen will!

Freestyle Libre unter Wasser

#5 Dein liebster Hypohelfer?

Jetzt fangt mir bloß nicht mit Traubenzucker an. Ja, ich hab ihn immer dabei und ja, er kommt auch oft genug zum Einsatz. Aber wenn ich es irgendwie vermeiden kann, dann lass ich ihn lieber ganz unten im Zuckertäschchen bis in alle Ewigkeit zerkrümeln. Statt dessen habe ich meistens Trinkpäckchen oder Fruchtquetschis dabei, die mir wunderbar schmecken und verlässlich aus der Hypo holen. Generell experimentiere ich aber auch gerne rum und probiere neue Hypo-Helfer aus, damit es nicht langweilig wird! 🙂

#6 Tagebuch schreiben, in einer App dokumentieren oder „Fuck off“?

Die Sache mit dem Tagebuch ist nicht gerade mein Steckenpferd. Zum Glück leben wir im Jahre 2015 und es gibt vielerlei Technik, die mir dabei hilft. Zum einen zeichnet das Freestyle Libre meine Blutzuckerwerte kontinuierlich auf, sodass ich sie leicht analysieren kann. Die wunderbare MySugr-App ist ein toller Weg, über das Leben mit Diabetes Tagebuch zu führen und neuerdings können hier sogar die Blutzuckerkurven von CGMs und auch vom Freestyle Libre importiert werden! Yay! Was bei mir bisher meist auf der Strecke blieb, war die Aufzeichnung der verabreichten Insulin-Dosen. Doch mittlerweile wird mir auch das abgenommen, nämlich durch die ESYSTA-Pens. Mein Traum wäre nun noch, wenn all diese Geräte kontinuierlich miteinander kommunizieren und die Daten austauschen könnten, sodass dann letztlich alles in einer App gesammelt wird. Aber auch das wird irgendwann kommen. Bis dahin schreibe oder tippe ich mir alle Daten mal mehr, mal weniger gewissenhaft zusammen!

#7  Familie nervend oder helfend?

Mein Diabetes war von Anfang an meine Sache. Zum Zeitpunkt der Diagnose war ich 18 Jahre alt und obwohl ich noch zu Hause lebte, wollte ich immer schon meine eigenen Entscheidungen treffen. Anstatt die Hilfe meiner Familie anzunehmen, fand ich sie deshalb lange Zeit eher nervig. Das lag aber vor allem an meiner damaligen Einstellung zum Diabetes, die sich mittlerweile grundlegend geändert hat. Heute nehme ich Diabetes als Teil meines Lebens an, und genau so auch die Hilfe von Freunden und Familie. 🙂

#8 Warum bloggst du oder liest Diabetes-Blogs?

Ich schreibe diesen Blog erst seit April 2015, hatte aber schon länger mit dem Gedanken gespielt. Das Lesen von Blogs mit echten, realistischen Erfahrungen hat mir wahnsinnig geholfen, den Diabetes mit seinen Höhen und Tiefen anzunehmen. Ich kann euch gar nicht sagen, wie sehr ich mich jedes Mal freue, wenn Blogger stolz einen 100er-Wert, oder eben auch frustriert einen 400er-Wert posten. So sieht das Leben mit Diabetes nämlich aus. Und genau deshalb schreibe auch ich hier: Um zu zeigen, wie eines von so vielen Leben mit Diabetes aussieht.

Sport mit Diabetes

#9 Diabetes als Sportbremse? Oder wie vereinigst du die beiden Dinge?

Tatsächlich hat mich der Diabetes beim Sport ziemlich ausgebremst. Ich habe früher wahnsinnig gerne Handball gespielt. Jedoch wurde irgendwann aus Leidenschaft nur noch Leiden, denn der Diabetes hatte sich unangekündigt in mein Leben geschlichen. Nach der Diagnose ging es mir zwar schnell viel besser, aber irgendwie habe ich den Spaß am Sport trotz vieler Versuche über die Jahre hinweg nicht wieder finden können. Erst in diesem Sommer habe ich endlich wieder mit etwas Struktur und Disziplin angefangen, Sport zu treiben und es hat mir wirklich, wirklich gut getan. Dann kam die Master-Arbeit, die Südamerika-Reise, der Umzug, der Job-Einstieg. Alles Ausreden – ich weiß! Seit ich in Berlin wohne, bin ich erst ein paar Mal Joggen gegangen, habe noch keinen Rhythmus gefunden. Das muss sich unbedingt ändern! Noch ein Vorsatz für’s neue Jahr also! 😉

#10 Wie offensiv gehst du mit deinem Diabetes um?

Kurz nach der Diagnose habe ich mich zum ersten Mal wieder mit meinen Freundinnen getroffen. Wir gingen Eis essen. Als absoluter Frischling entschied ich mich natürlich für das Diabetiker-Eis. Würg! Immerhin wusste ich, dass auch in Diabetiker-Eis Kohlenhydrate sind, also ging ich auf die Toilette, um mir dort mein Insulin zu spritzen. Hier war es dann so schmuddelig und eng, dass ich mir 1. beim Spritzen fürchterlich weh getan habe und mir 2. unglaublich dämlich vorkam. So beschloss ich gleich zu Anfang, mich nie wieder beim Spritzen zu verstecken. Klar, ich will meinen Diabetes niemandem auf die Nase binden – aber wer sich davor ekelt, muss ganz einfach damit klar kommen!

Diabetes

#11 Wenn du einen Wunsch frei hättest…

Intuitiv denke ich hier natürlich daran, dass Diabetes irgendwann geheilt wird. Vermissen würde ich ihn nämlich ganz sicher nicht. Aber das ist Zukunftsmusik. So weit entfernte Zukunft sogar, dass ich den Gedanken größtenteils aus meinem Kopf verbanne. Bis dahin müssen wir mit der Realität Diabetes nun einmal leben. Deshalb ist mein Wunsch, dass die Community noch stärker zusammen wächst. Dass noch mehr Blogparaden, Blogwochen und Blog-Tags wie diese entstehen – mehr Events, Stammtische und mehr Austausch. Und letztlich mehr Selbstbewusstsein und mehr Akzeptanz für jeden einzelnen, der mit Diabetes lebt.

So sieht mein ganz persönlicher Typ Diabetes aus. Vielen Dank an Saskia und Marcel für den Anstoß! Und nun bin ich gespannt, wie andere die 11 Fragen beantworten und nominiere deshalb Beate von Beate Putzt, Lea von Insulea und Ilka von mein-diabetes-blog.com! 🙂

(Featured Image by Franziska Anastasia Lentes)

You Might Also Like

5 Comments

  • Reply
    Lisa
    20. Dezember 2015 at 15:53

    Also erst mal muss ich unbedingt loswerden, wie wundervoll ich das Titelfoto finde!! Ganz bezaubernd!! 🙂
    Und wie immer toll geschrieben. Von dem Pen habe ich noch nie etwas gehört. Der hätte mir auch gefallen und einiges abgenommen .

    • Reply
      Steffi
      20. Dezember 2015 at 21:46

      Vielen Dank, liebe Lisa – das Foto hat eine gute Freundin von mir gemacht! 😉 Die Pens sind ja auch noch nicht so lang auf dem Markt. Mir gefallen sie aber trotz einiger „Kinderkrankheiten“ ziemlich gut – ich bin einfach ein richtiger Tagebuch-Muffel, da hilft die neue Technik ungemein! 😉
      Liebe Grüße und danke für die Nominierung! 😉

  • Reply
    Beate
    21. Dezember 2015 at 18:12

    Danke Steffi, mich hatte vorher schon Sarah von dia-beat-this.de nominiert, hier sind meine Antworten: https://beateputzt.wordpress.com/2015/12/20/diabetes-typ-you-tag/
    Glaube unsere Beiträge gingen mehr oder weniger zeitgleich online 😉

    Sehr schönes Bild, kann ich Lisa nur anschließen 🙂

    • Reply
      Steffi
      22. Dezember 2015 at 15:36

      Hallo Beate! Haha, doppelt hält ja bekanntlich besser! 😉
      Liebe Grüße und eine frohe Weihnachtszeit! 🙂

  • Reply
    Diabetes Type YOU - Wer, ich? - mein-diabetes-blog.com
    30. Dezember 2015 at 10:07

    […] Marcel und Saskia gestartet, wurde ich nun von der lieben Steffi von Pep me up getagged um ein paar Fragen über mich und die Diabetes-Sau zu beantworten. Ich will nicht lang […]

  • Leave a Reply