Erfahrungsberichte

Dexcom G6 – Erfahrungsbericht

Dexcom G6 Erfahrungsbericht

Neuer, kleiner, haltbarer, besser – das soll der Dexcom G6 sein. Stimmt das? Wollen wir mal sehen! Ich habe den Dexcom G6 bereits vor etwa einem Monat in die Finger kriegen können, obwohl er in Deutschland noch nicht erhältlich ist. Man munkelt, dass es im September oder Oktober so weit sein soll. Bis dahin könnt ihr nun schon einmal von meinen persönlichen Erfahrungen mit dem Dexcom G6 lesen! 

Wie bin ich überhaupt an das G6 herangekommen? Und warum denn auf einmal ein CGM?

Diese Frage haben mir natürlich viele gestellt. Im August habe ich eine Freundin in Schottland besucht und war gerade ohne CGM-Sensor unterwegs. Wie ihr wisst, nutze ich seit Langem begeistert das Freestyle Libre. Allerdings ist mir im vergangenen Jahr irgendwie die Hypowahrnehmung abhanden gekommen und mittlerweile brauche ich unbedingt die Alarmfunktion eines richtigen CGMS. Deshalb habe ich mich in den letzten Monaten durch die verschiedenen Systeme getestet.

Tatsächlich hatte mir Dexcom netterweise nur wenige Wochen vorher das G5 testweise zur Verfügung gestellt. Das System hatte mich – vor allem in Kombination mit der Apple Watch – so sehr begeistert, dass für mich klar war: Ich werde vom Libre aufs Dexcom umsteigen. Zunächst versorgt mich die Krankenkasse allerdings noch mit dem Libre, sodass ich noch kein neues System beantragen kann. Da ich mich aber momentan ohne Alarme absolut unsicher fühle, wusste ich, dass ich mir CGM-Sensoren würde kaufen müssen.

Da kam mir die Idee: Warum nicht gleich den G6 kaufen? In den USA und in Großbritannien war der G6 schließlich schon seit mehreren Monaten verfügbar – so auch in Schottland. Also nahm ich Kontakt zum Dexcom-Vertrieb in Großbritannien auf. Natürlich band ich den Herrschaften nicht gerade auf die Nase, dass ich in Deutschland lebe – aber lügen musste ich auch nicht. Ich brauchte lediglich eine Adresse in Großbritannien. Das war kein Problem, da ich ja ohnehin eine Freundin besuchte, die dort lebt.

Also gab ich noch meine Kreditkartendaten durch und schon war das Dexcom Starter Kit bestellt. Für einen Transmitter und 3 drei Sensoren zahlte ich 159 Britische Pfund – zuzüglich 20% Steuern. Als Mensch mit Typ 1 kann man sich in Großbritannien hiervon befreien lassen. Da ich dort aber nicht lebe, ging das natürlich nicht und unterm Strich bezahlte ich etwas über 200 Euro für das Paket, welches nur wenige Tage später auf mich wartete.

Natürlich bezahle ich ungern so hohe Summen aus eigener Tasche für mein Diabetes-Equipment. Für mich hat es sich allerdings gelohnt, weil ich nun meine Hypo-Alarme vorerst gesichert habe, und das System, welches ich bald bei der Krankenkasse beantragen möchte, ausführlich testen konnte. „Win-Win“ würde ich sagen! 

Mein erstes Fazit ist wirklich sehr, sehr positiv. Allerdings sei hierzu auch gesagt, dass ich das System eben erst seit rund einem Monat teste. Vielleicht ändere ich meine Meinung im Laufe der Zeit, vielleicht auch nicht. Sicherlich werden mir einige Mankos auffallen. In jedem Fall werde ich den Artikel hier aktualisieren. Nun aber erst einmal zu meinen jetzigen Eindrücken! 

Was ist neu und anders am Dexcom G6 – verglichen mit dem G5? 

Der Dexcom G6 Transmitter

Zunächst mal das Offensichtlichste: Der Transmitter ist deutlich flacher und etwa 30 Prozent kleiner als zuvor. Man bleibt nicht mehr so leicht hängen wie mit dem recht klobigen G5. So flach und unauffällig wie der Libre-Sensor ist der G6 allerdings noch immer nicht. Immer wieder hört man, dass den Sensor irgendwann mal so klein wie ein Cent-Stück werden soll – davon sind wir aber noch weit entfernt. Die Lebensdauer des Transmitters beträgt nach wie vor 90 Tage (mal schauen, ob sich da was machen lässt) und auch die Reichweite bleibt bei etwa 6 Meter.

DexcomG6_Erfahrungsbericht_Sensor

Der Dexcom G6 Sensor

Nicht nur der Transmitter, auch der Sensor wurde maßgeblich weiterentwickelt. Eine der wichtigsten Neuerungen: Kalibrierungen sind ab sofort nicht mehr notwendig! Weder beim Starten des Sensors, noch danach wird man aufgefordert, ihn zu kalibrieren. Aber natürlich besteht weiterhin die Möglichkeit, den Sensor zu kalibrieren – wenn man das möchte. Ich persönlich halte Kalibrierungen für eine absolut unterschätzte Fehlerquelle, die der Genauigkeit der CGM-Systeme oftmals schadet anstatt ihr zu nützen. Deshalb bin ich froh, dass ich nicht mehr zu unpassenden Zeitpunkten kalibrieren muss, sondern nur, wenn es wirklich förderlich ist. Die Genauigkeit der Messwerte soll nun außerdem nicht mehr durch die Einnahme von Paracetamol beeinflusst werden, was in der Vergangenheit zu verfälschten Ergebnissen geführt hat.

DexcomG6_Erfahrungsbericht

Darüber hinaus hat der neue G6-Sensor eine Laufzeit von 10 Tagen. Der G5 lief nur 7 Tage, konnte aber kinderleicht neugestartet und somit verlängert werden. Es wird nun behauptet, dass dies beim G6 nicht mehr möglich ist – das stimmt schlicht und einfach nicht. Es ist zwar nicht mehr so einfach wie beim G5, aber auch der G6 kann verlängert werden! Hierzu werde ich demnächst noch einmal eine Anleitung schreiben, die euch durch die einzelnen Schritte führt. Momentan trage ich noch immer den ersten Sensor – er ist mittlerweile bei Tag 37 (!!!!!!!!) und die Werte sind noch immer akkurat. Wahnsinn!

Leider muss ich sagen, dass das Pflaster bei mir nicht besonders gut gehalten hat. Ich musste noch vor Ende der offiziellen 10 Tagen zum Tape greifen, was mich ein wenig enttäuscht hat. Allerdings haben wir auch einen Wahnsinns-Sommer erlebt, der die Pflaster sehr beansprucht. Nach über einem Monat muss ich den Sensor natürlich komplett abtapen – da hält sonst gar nichts mehr. Aber die Laufzeit und die Messgenauigkeit sind meiner Meinung nach sehr beeindruckend!

DexcomG6_Erfahrungsbericht

Die Dexcom G6 Setzhilfe

Die Setzhilfe, mit der man den G6-Sensor anbringt, ist komplett überarbeitet worden und ist nun wirklich deutlich unkomplizierter in der Handhabung. Man kann sie einfach einhändig bedienen und den Sensor dadurch leichter an unterschiedliche Körperstellen setzen. Das alles funktioniert endlich per Knopfdruck und die vielen Einzelschritte fallen weg. Dadurch ist die Setzhilfe nun allerdings deutlich größer und verursacht aufgrund der einmaligen Verwendung extrem viel Plastikmüll.

DexcomG6_Erfahrungsbericht_Setzhilfe

Dexcom G6 Empfängergerät & App 

Auch das Empfängergerät wurde komplett überarbeitet – jedoch kann ich hier keine eigenen Erfahrungen teilen. Ich muss zugeben, dass ich während meines G5-Tests das Empfängergerät nur ein paar Minuten genutzt und mich dann auf die App konzentriert habe. Für das G6 habe ich mir gar nicht erst das Empfängergerät gekauft, da ich es selbst hätte bezahlen müssen. Ich hoffe aber sehr, dass die Krankenkasse bei Zeiten eines erstatten wird. Ich denke nicht, dass ich es intensiv nutzen werde, aber für den Fall der Fälle (Handy kaputt, geklaut oder einfach Akku leer) ist es hilfreich, ein Gerät parat zu haben.

Meine Erfahrungen beschränken sich also auf die Dexcom-App. Und hier hat sich etwas getan: Die G5-App war wirklich rudimentär und es fehlten absolute Basics, wie zum Beispiel die Dokumentation von Basalinsulin. Antje von Süss, Happy, Fit hat hierüber sehr deutlich geschrieben. Ich muss sagen, dass hier beim G6 nicht gerade Quantensprünge gemacht wurden, aber zumindest die Abgabe von Basalinsulin kann man nun eintragen. Ich behaupte einfach mal, dass die Dexcom App wirklich eher zum Auslesen des Dexcom gemacht ist – und vorerst keine tolle Tagebuch-App wird.

Statt dessen hat man an den Alarmen gefeilt: Es ist nun möglich, zwei verschiedene Alarmprofile zu erstellen. So kann man für bestimmte Wochentage und Uhrzeiten ein zweites Profil mit anderen Grenzwerten festigen – beispielsweise für die Nacht oder für’s Wochenende. Sehr nützlich! 

DexcomG6_App

Darüber hinaus gibt es eine komplett neue Alarmfunktion: „Urgent Low Soon“ bzw. „Bald niedrig“. Hier prognostiziert das System sehr konkret eine bevorstehende schwere Unterzuckerung, z.B. „55 mg/dl within 20 minutes“. Diesen Alarm habe ich nun schon das ein oder andere mal bekommen und auf den ersten Blick wirkt er hilfreich (vielleicht einfach weil mich die Genauigkeit beeindruckt). Allerdings war ich jedes Mal, wenn dieser Alarm erschien, schon mitten in einer Hypo. So spannend es ist, diese Prognose zu sehen – wenn ich unter 70 mg/dl rassel und sehe, dass der Pfeil nach unten zeigt, dann kann ich mir auch selbst denken, dass ich bald bei 55 mg/dl bin. Vielleicht werde ich die Funktion in der Zukunft noch schätzen lernen – bisher wirkt sie auf mich aber lediglich wie ein nettes, aber nicht wirklich nützliches Gimmick. ¯\_(ツ)_/¯ 

Die Sache mit der Smartwatch

Wie bereits erwähnt, hat mich die Hypowahrnehmungsstörung in Richtung CGMS getrieben. Ich wusste einfach, dass ich die Alarme nun brauche. Daher hatte ich natürlich schon fest damit gerechnet, dass mich ein waschechtes CGM begeistern würde. Auch das Medtronic Enlite System (gerade auch in Verbindung mit meiner Pumpe) hatte mich absolut überzeugt.

Womit ich aber nicht gerechnet hatte, war meine Reaktion auf die Verbindung zwischen Dexcom und Smartwatch. Dexcom war so nett (oder einfach schlau), mir während meines G5-Tests auch die Apple Watch zur Verfügung zu stellen. Ich habe diese Verbindung immer für eine nette Spielerei gehalten aber WOW: Das Ding ist ein echter Gamechanger! Es war so ein riesiger Boost für meine Lebensqualität, meinen Glukosespiegel ganz einfach von der Uhr ablesen zu können.

Ihr könnt euch garnicht vorstellen, wie schwer es mir fiel, das Dexcom, aber eben auch die Apple Watch nach wenigen Wochen wieder abzugeben. Kaum zu glauben, aber dieses Ding hat meine Entscheidung letztlich besiegelt. Momentan spare ich deshalb auf meine eigene Apple Watch – mit dem Dexcom G6 konnte ich sie also noch nicht ausprobieren. Die Funktionsweise ist aber die gleiche – denn noch immer benötigt man ein Smartphone, das zwischen den Dexcom und die Watch geschaltet ist. Eine direkte Verbindung zwischen Watch und Dexcom gibt es also noch nicht – ist aber wohl in Arbeit. So oder so freue ich mich drauf, wenn ich meinen Glukosespiegel demnächst wieder im Handumdrehen sehen kann!

DexcomG6_AppleWatch

Mein persönliches Fazit zum Dexcom G6

Wie ihr bereits rauslesen konntet, bin ich schon jetzt ein großer Fan des Dexcom G6. Da mein G5-Test noch garnicht lange her ist, kann ich sehr deutlich erkennen, wie das System von Generation zu Generation weiterentwickelt wurde. Die Alarmfunktion gebe ich so schnell nicht mehr her und ich habe das Gefühl, mich wirklich auf die Werte verlassen zu können. 

PRO
  • Alarmfunktionen 
  • Messgenauigkeit + Kalibrierungen nicht nötig, aber dennoch möglich
  • Verlängerte Haltbarkeit des Sensors auf 10 Tage + verhältnismäßig einfaches neu starten & verlängern
  • Verbindung zur Handy-App funktioniert gut und stabil
  • Deutlich unkomplizierteres Setzen durch verbesserte Setzhilfe
  • Verbindung zur Smartwatch über Smartphone extrem praktisch
CONTRA
  • Größe & Aussehen: Noch immer verhältnismäßig auffällig und klobig
  • Pflaster sehr groß & mittelmäßige Haltbarkeit
  • Die Funktionen der App sind weiterhin recht beschränkt, wenn auch etwas verbessert
  • Setzhilfe nicht wiederverwendbar: Extrem viel Plastikmüll
  • Keine direkte Verbindung zwischen Transmitter und Smartwatch – Smartphone notwendig

Wann ist das Dexcom G6 in Deutschland erhältlich? Werden die Kassen die Kosten übernehmen?

Laut Information von Dexcom ist der Launch des Dexcom G6 noch für diesen Herbst geplant – also September oder Oktober. Allzu lange kann es nicht mehr dauern. Bis dahin soll auch die Frage nach der Kostenübernahme durch Krankenkassen geklärt werden. Dexcom sagt weiterhin, dass der schnellste Weg zum G6 die Beantragung des G5 ist. Durch die längere Laufzeit sollen die Sensoren günstiger werden, daher sollen die Krankenkassen Interesse daran haben, ihre Patienten auf das G6 umzustellen. Wie das in der Umsetzung aussieht, werden wir bald erfahren. 

Ich werde allerdings direkt den G6 beantragen, sobald er verfügbar ist und hoffe inständig, dass die Krankenkasse mitspielt! Es heißt also: Daumen drücken! Wie sieht es bei euch aus? Wer von euch hat Interesse am Dexcom G6? Ich bin gespannt auf eure Meinungen!

 

Disclaimer: Dexcom hatte mir vor wenigen Monaten testweise das G5 CGMS inkl. Apple Watch zum Test zur Verfügung gestellt. Den G6 habe ich mir selbst gekauft – allerdings ist er in Deutschland noch nicht verfügbar. Ihr lest wie immer meine eigene Meinung in meinen eigenen Worten.

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3 Comments

  • Reply
    Holger
    7. September 2018 at 19:30

    Hallo Steffi, das ist ein toller Bericht. Kann es nicht abwarten vom G5 auf den G6 zu wechseln. Hoffe Ende des Jahres. Eines der neuen Feature des G6 ist die direkte Verbindung der Apple Watch zum Sensor. Dazu soll es eine neue G6 App geben. Dann ist dein Gamechanger ne richtige Bereicherung. Gruß

  • Reply
    Klaus- D. Warz
    10. September 2018 at 15:38

    Danke Steffi für deinen wertvollen Bericht! Viele CGM Nutzer in Deutschland warten schon mit großer Ungeduld auf den Dexcom G6 Sensor und sind über die guten Neuigkeiten sehr glücklich! Schade, dass die Apple Watch zur Übertragung der Werte noch immer nicht ohne das iPhone funktioniert…! Sehr, sehr bedauerlich! Dennoch freue ich mich schon sehr mit der nächsten Lieferung den G5 gegen den G6 zu ersetzen ! 👍😊 eine Frage zu den Kosten des Systems ohne Empänger (Receiver + 3 Sensor) in UK: Sind die Kosten tatsächlich 200 Euro umgerechnet? Dies würde doch bedeuten, dass bei 3wöchiger Nutzung eines Sensors die Kosten unter 1000 Euro p.a. bleiben! Ist dies korrekt oder gibt es einen Denkfehler hierbei?
    Dies wäre für alle, die keine Finanzierung durch die KK erhalten eine mögliche Alternative?! Das CGM kann einen sehr großen Beitrag zur Verbesserung der HBA1c Werte liefern und wäre für mich unverzichtbar! BTW: Es gibt eine sehr nützliche App für das G5 DEXCOM CGM im App Store „sugarmate“, die ich sehr empfehlen kann …. sie zeigt bei ihrer Nutzung die tgl. Verbesserung der HBA1c Werte an und kann hervorragend auch als Tagebuch genutzt werden. 👍
    Ich freue mich auf Deinen nächsten Blog und sende HG Klsus

  • Reply
    Uwe
    12. September 2018 at 22:11

    Hallo
    Danke Steffi für die ausführlichen Informationen
    ich bin 54 und Diabetes seit 1990,ich nutze das g5 seit Weih 2017, bin über die Alarm Funktion begeistert .Nur sind mir mängel beim setzet oder starten aufgefallen , gibt’s wenn bei denn das auch war ? würde mich freuen was zu lesen
    kann das wer lesen ??

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