Diabetes und Reisen

Reisegepäck weg – der Super-Gau?

Ihr wisst, dass ich das Reisen liebe – zu diesem Thema kann ich mir den Mund fusselig reden und die Finger wund tippen! Ich bin überzeugt, dass wir auch mit dem Diabetes die Welt bereisen können und kein Ziel zu weit oder zu verrückt ist. ABER: Damit wir diese Reisen auch genießen können, müssen wir nun mal zuerst unsere Hausaufgaben machen. Uns vorbereiten. Einen Plan B (und C und D) parat haben. Deshalb lesen sich meine Beiträge zum Thema Reisen manchmal so, als seien sie von einem total paranoiden Kontroll-Freak geschrieben. Allgemein gehöre ich beim Diabetes-Management ja eher dem Team „Pi Mal Daumen“ an. Aber beim Reisen und Packen bin ich sehr genau und gehe lieber auf Nummer sicher.

So auch bei meiner aktuellen Reise. Wie ihr wisst, bereise ich für vier Monate mit meinem Freund Südostasien. Um mich wirklich sicher zu fühlen, habe ich hier nicht nur einen Ersatz für Blutzuckermessung und Insulininjektion dabei, sondern auch einen Ersatz für den Ersatz! Außerdem nehme ich in der Regel das doppelte von dem Verbrauchsmaterial mit, was ich voraussichtlich auf der Reise brauchen werde. Dabei orientiere ich mich an meiner Packliste. Wenn ich alles beisammen habe, teile ich die Vorräte wenn möglich auf mehrere Gepäckstücke auf. Meist landet die Hälfte somit bei meinem Freund.

Dieser hatte sich vorgenommen, nur mit dem flexiblen Handgepäck zu reisen. Nicht so einfach, aber machbar. Stolz wie Oskar zippte er den Reißverschluss zu und präsentierte mir seinen fertig gepackten kleinen Rucksack. Und ich? Ich präsentierte ihm die zwei Säcke Diabetes-Equipment, die er für mich während der Reise in seinem Gepäckstück tragen sollte. Aus der Traum vom Handgepäck! Es wurde also bei uns beiden ein großer Reise-Rucksack und jeder von uns transportiert seitdem jede Menge Katheter, Reservoire etc. auf dem Rücken. Das tat mir wirklich Leid, aber ich halte es für notwendig – auch wenn man es übertrieben finden mag.

So und jetzt kommt’s! Gestern flogen wir von Hanoi nach Bangkok und von dort aus weiter nach Chiang Mai. Gegen Abend kamen wir in unserer Unterkunft an und wollten uns vor dem Abendessen nur kurz frisch machen. Auf der Suche nach der Zahnpasta wurde mir klar: Das ist nicht mein Rucksack!!!

Was war passiert? Während eine junge Thailänderin mit hervorragendem Rucksackgeschmack schnell und problemlos durch die Einreise-Kontrolle schlenderte, hing ich in der elendig langen Schlange für Ausländer fest. Sie schnappte sich den schönen Rucksack vom Band und flog damit weiter. Als wir endlich durch die Passkontrolle gelangt waren, lag unser Gepäck bereits neben dem Band. Darunter auch die zwei Rucksäcke, die wir als die unseren erkannten. Und so eilten wir zum Counter und gaben unser Gepäck für unseren Weiterflug nach Chiang Mai auf. Dort gelandet, schnappten wir es wieder vom Band und fuhren zu unserer Unterkunft. Erst dort wurde mir klar, dass die Rucksäcke am jetzt 700 km entfernten Flughafen in Bangkok vertauscht worden waren.

Natürlich war das ein riesengroßer Schock! Neben all meinem schönen Hab und Gut wanderten meine Gedanken direkt zu meinem Diabeteskram. Zwar hatte ich mein Insulin wie immer im Handgepäck, gemeinsam mit einem kleinen Beutel mit den nötigsten Dingen für ein paar Tage. Aber viel weiter komme ich damit nicht. Für die nächsten zwei Monate auf Reisen brauche ich natürlich etwas mehr. Doch in diesem Moment machte sich gleichzeitig riesige Erleichterung breit! Denn die hälfte meines Diabetes-Vorrats war ja schließlich im Rucksack meines Freundes! Somit war ich auf der sicheren Seite. Und meine Vorsicht beim Packen hatte sich ausgezahlt.

Doch die Geschichte wird noch besser: Denn in meinem Rucksack fand die junge Thailänderin meine Visitenkarten (den Gepäckanhänger hatte sie wohl übersehen) und kontaktierte mich daraufhin auf meiner Facebook-Seite. Durch eine sehr, sehr glückliche Fügung war sie ausgerechnet auch nach Chiang Mai weitergereist. Wir hätten vom Drehkreuz Bangkok überall in die Welt weiterreisen können, doch wir waren beide in der gleichen Stadt gelandet. Was für ein unfassbares Glück!

Und so konnten wir uns gleich am nächsten Tag treffen, über unseren Rucksack-Geschmack lachen und jeder ging mit seinem eigenen Gepäckstück heim. Ein unglaubliches Happy End zu einer ziemlich stressigen Erfahrung! Was lerne ich daraus? Ich sollte demnächst genauer hinschauen und meinen Rucksack besser markieren. Aber ich sollte auch weiterhin auf meine Instinkte vertrauen und manchmal einfach auf Nummer sicher gehen! Damit ich meine vielen Reisen guten Gewissens genießen kann!

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1 Comment

  • Reply
    Reisen mit Diabetes - Eine Blogparade - PEP ME UP Diabetes Blog
    3. Juni 2018 at 19:28

    […] auch eine Sicherheitsmaßnahme für den Fall, dass mal ein Gepäckstück wegkommt. Glaubt mir: Alles schon passiert! Ganz viele Tipps zum Packen inklusive einer Packliste zum Ausdrucken findet ihr übrigens […]

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