Diabetes und Reisen

Ich bin dann mal weg!

Reisen mit Diabetes

Tschüss, adieu, auf Wiedersehen. Das habe ich in den vergangenen Wochen sehr oft und zu vielen Menschen gesagt. Dann habe ich meinen Schreibtisch geräumt, meine Wohnung übergeben, meinen Rucksack gepackt und mich ins Flugzeug gesetzt. Das Ziel: Südostasien. Thailand, Vietnam, Laos und Kambodscha. Und das ganze vier Monate lang!

Vier Monate. Was für ein Luxus. Ich kann überhaupt nicht in Worte fassen, wie sehr ich mich freue! Und ich kann kaum glauben, dass ich diese Worte tatsächlich schreibe, während ich im Bett sitze und das Meer sehe. Denn die Vorbereitung unserer Auszeit hat einiges an Kraft gekostet.

Die Idee reift schon sehr lange in mir. Dass das Reisen meine große Leidenschaft ist, wisst ihr mittlerweile bestimmt. Fast all mein Geld und meine Freizeit investiere ich in meine Reisesucht. Ob nah oder fern, lang oder kurz – mir gibt jede Reise Motivation, Inspiration und Lebensfreude! Meinen Freund plagt dasselbe Fernweh und im Frühling stand unsere Entscheidung. Wir wollen unbedingt noch in diesem Jahr raus aus Deutschland und einige Monate lang umher reisen.

Warum diese Auszeit?

Warum? Diese Frage wurde mir oft gestellt. Ob mir mein Job denn nicht gefalle, ich mich in Berlin nicht wohl fühle oder gar plane, eine Familie zu gründen? Alles Quatsch. Meine Antwort auf die Frage „Warum?“ ist eine Gegenfrage: „Warum nicht?“. Ich bin jung, flexibel, gesund (Naja, bis auf die kleine Ausnahme namens Diabetes – aber was soll’s!?) und ich liebe das Reisen nun einmal. Also: Warum nicht?

Nach Südostasien zieht es mich schon seit Langem. Und das nicht nur wegen der hervorragenden Küche! Versprochen! So viele verschiedene Kulturen, so viele fantastische Städte, Tempel und Landschaften, die es zu erkunden gibt. Achja, und das Essen soll auch ganz gut sein! 😉 Ihr merkt schon: Meine Vorfreude ist gigantisch! Das Reiseziel stand also schnell fest und auch der Zeitpunkt war gleich klar. Auf den Berliner Winter kann ich nämlich gut und gerne verzichten.

Darüber hinaus war es mir wichtig, langsam zu reisen und längere Zeit in einem Land und an einem Ort zu verweilen. Auf meinen vorherigen Trips habe ich meist ein umfassendes Programm in so hohem Tempo absolviert, dass mir schon bei der Erinnerung daran fast schwindelig wird. Dadurch, dass die Lebenshaltungskosten in Südostasien verhältnismäßig günstig sind, lassen sich die vier Monate hier nicht nur relativ gut finanzieren, sondern man kann es sich sogar recht gut gehen lassen! Dafür haben wir natürlich lange gespart und ich freue mich, dass es nun los geht.

Reisen mit Diabetes

4 Monate? Wie geht das überhaupt?

Im Frühjahr sprach ich also mit meinem Chef, der mein Vorhaben glücklicherweise ohne Bedenken unterstützte. Ich darf für vier Monate meinen Job ruhen lassen und danach wieder zurückkommen. In der Zwischenzeit halten meine wunderbaren Kolleginnen die Stellung, wofür ich ihnen unendlich dankbar bin. Auch mein Freund konnte seinen Arbeitgeber überzeugen und so sind wir beide für vier Monate freigestellt. Ich weiß, dass wir mit dieser Situation unglaubliches Glück haben und dafür sind wir sehr, sehr dankbar. Es ist toll, wenn einem der Arbeitgeber so viel Freiheit gibt und weiß, dass man nach einer solchen Auszeit ausgeruht und motiviert an den Schreibtisch zurückkehrt. Mittlerweile bieten immer mehr Arbeitgeber diese Art Flexibilität und wenn sie das noch nicht tun, kann man ja zumindest mal den Vorschlag anbringen! 😉

Da wir aus unserer Wohnung über kurz oder lang ohnehin ausziehen mussten, haben wir sie kurz vor dem Abflug aufgelöst und übergeben. Nach unserer Rückkehr nach Deutschland wird die Suche nach einer neuen Bleibe also ganz oben auf der To-Do-Liste stehen! Das Tolle daran ist, dass wir während der Reise also keine Miete zahlen und wirklich frei sind.

Der Reise stand also nichts im Wege und schon bald konnte es mit der Detailplanung losgehen. Das für mich wichtigste Thema in der Reisevorbereitung: Gesundheit.

Pieks, Pieks und nochmal Pieks!

Für unsere Reise waren einige Impfungen notwendig, weshalb ich in den letzten Wochen gefühlt jeden Tag beim Arzt saß und auf noch einen und noch einen Pieks warten durfte. Dazu kam, dass nicht alle Impfstoffe erhältlich waren – eine Tollwutimpfung war wegen Lieferengpässen monatelang nicht möglich. Zwei Wochen vor unserem Abflug war der Impfstoff dann endlich wieder verfügbar – zeitlich reichte es jedoch nur noch für zwei von drei Impfungen. Die dritte haben wir dann im Tropeninstitut in Bangkok nachgeholt. Was für ein Aufwand! Nun habe ich also endlich alles hinter mir und freue mich, erst im März wieder eine Arztpraxis zu betreten.

Diabetes im Gepäck

Und dann wäre da natürlich noch die klitzekleine Kleinigkeit namens Diabetes, die während der Reise natürlich auch versorgt werden will. Also habe ich mich zusätzlich noch mit vielen Rezepten und Zubehörbestellungen herumgeschlagen. Leider gab es mit meiner Verordnung für das Freestyle Libre einige Verzögerungen, sodass ich vor meinem Abflug ohne einen einzigen Sensor dastand. Glücklicherweise hat mich meine Diabetesberaterin noch mit zwei Sensoren ausgestattet und den Rest werde ich mir wohl zuschicken lassen müssen.

Von den fehlenden Sensoren mal abgesehen schleppe ich mal wieder ein vielfaches von dem mit, was ich tatsächlich brauchen werde. Aber beim Packen für das Reisen mit Diabetes gehe ich lieber auf Nummer sicher. Gerade das Thema Insulinpumpe hat mir Bauchschmerzen bereitet. Denn Medtronic wollte mir wegen der langen Dauer meiner Reise weder eine Urlaubspumpe zur Verfügung stellen, noch werden sie im Fall eines Defekts in meinen Reiseländern mit einem Ersatzgerät oder einer Reparatur aushelfen. Der Rat der Kundenbetreuung war also: Hoffen, dass die Pumpe durchgehend funktioniert und für den Fall der Fälle Pens und Basalinsulin mitnehmen. Nicht besonders hilfreich, aber nicht zu ändern. Also alle bitte Daumen drücken! 😉

Und so verbringe ich den Diabetes-Monat November nun eigentlich damit, möglichst wenig an den Diabetes zu denken. Ich beobachte natürlich mit Spannung, welch tolle Aufklärungsarbeit in den sozialen Medien betrieben wird, halte mich aber selbst zurück und konzentriere mich darauf, meine kleine Auszeit zu genießen. Ich freue mich darauf, euch von meinen Erfahrungen und Erlebnissen zu berichten – ob hier auf auf Social Media. Schaut doch mal bei Instagram vorbei. Dort gibt es schon einige Fotos und Stories von der Reise.

Nun wünsche euch allen erst einmal einen ganz wunderbaren Diabetes-November! Bis bald!

Stephanie_Haack

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2 Comments

  • Reply
    Beate_putzt
    14. November 2017 at 8:01

    Liebe Stephi,
    Eine schöne Zeit euch, gute Reise. Ich bin gespannt, was du erlebst. Mit den Sensoren viel Erfolg, dass sie ankommen. Über medtronic bin ich geschockt! Andererseits: Keine Ahnung, wie andere Pumpenhersteller das regeln.
    Bis bald, Beate

    • Reply
      Steffi
      16. November 2017 at 13:08

      Allerliebste Beate! Danke dir! Tja, bei Medtronic ließ sich nichts machen. Die Sensoren sind mittlerweile bei meiner Mutti angekommen und ich treffen zwischendurch die liebe Kati, die sie mir mitbringen kann. Es scheint also alles hinzuhauen. Ich wünsche dir einen ganz tollen Winter mit Glüchwein, Plätzchen und allem, was dazu gehört! 🙂 Liebe Grüße und bis bald! Steffi

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